Die Prozessoren mit den HBM-Chips werden nach Hongkong gebracht und in Shenzhen im Gepäck von Pendlern über die Grenze geschmuggelt. Dort landen die Chips in Werkstätten, wo Techniker die Platinen erhitzen, um das Lot zu erweichen, die entscheidenden Speicherchips vorsichtig abheben und den Rest der Bauteile wegwerfen. Das ist keine clevere Logistik, das ist Handarbeit an der Lötstelle.

Dass die Route funktioniert, liegt an einer Regelungslücke: Exportkontrollen prüfen nur die Leistung des Server-Prozessors und nicht die der übrigen angeschlossenen Komponenten, wie Tom's Hardware beschreibt. So rutschen die HBM-Chips im Inneren der billigen Prozessoren unter dem Radar hindurch nach China.

Warum sich das Geschäft lohnt

Der Broker sagt, eine einzelne HBM3E-Einheit habe in China im Jahr 2025 mehrere hundert Dollar gekostet, heute seien es etwa 4.000 Dollar. Laut Tom's Hardware werden die billigen, nicht sanktionierten Prozessoren mit teuren HBM-Chips von Samsung und SK hynix kombiniert, die für sich genommen für den Export nach China verboten sind. Dass dabei viele Einheiten ausfallen, macht das Verfahren nicht unattraktiv: Tom's Hardware zufolge ist es wegen des hohen Preises von HBM-Chips recht lukrativ. Ein Preis, der sich in dieser Größenordnung bewegt, ist selbst mit hoher Ausschussquote noch ein Geschäft.

Chinesische KI-Labore stehen beim Erwerb von KI-GPUs genau vor diesem Engpass bei Speicherchips, wie Tom's Hardware beschreibt. Wer Rechenleistung will, kommt an den Speicher nicht vorbei. Solange die Labore diesen Bedarf nicht aus eigener Fertigung decken können, bleibt der Weg über Zwischenhändler und Schmuggel eine teure, aber wirksame Antwort.

CXMT erhöht den Druck

Der Druck auf die etablierten Speicherhersteller wächst nicht nur durch den Schmuggel, sondern auch aus China selbst: Laut Tom's Hardware hat der chinesische Speicherhersteller CXMT bereits mit der Risikoproduktion von HBM3E begonnen. Das Unternehmen soll diese Chips bis Ende des Jahres in Massenproduktion herstellen. Berichten zufolge leidet CXMT jedoch weiterhin unter geringer Ausbeute, was seine Chips teuer in Herstellung und Beschaffung macht. Ein angekündigter Massenstart ist noch kein bewiesener Massenlauf.

Für die chinesischen KI-Labore bleibt der Engpass dennoch bestehen: Wer Rechenleistung kaufen will, muss zuerst an den Speicher kommen. Die hohen Preise für HBM3E auf dem chinesischen Markt zeigen, wie dringend dieser Bedarf ist. CXMT versucht, diese Lücke mit eigener Fertigung zu schließen, doch die geringe Ausbeute bremst den Plan.

Der Markt preist die Unsicherheit ein

Am 3. November 2026 fiel der Leitindex Kospi im Tagesverlauf um mehr als 7 % auf den niedrigsten Stand seit dem 31. Juli, wie Business Insider berichtet. Die KI-Chip-Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix führten die Verluste an und fielen bis Mittag um 9 % beziehungsweise 10 %.

Hock Tan, CEO von Broadcom, warnte am Montag, Kapital und nicht Chips oder Strom könnte zur größten Einschränkung für das Wachstum der KI-Branche werden, wie Business Insider ergänzt. Die Entwicklungen deuten darauf hin, dass Anleger über die KI-Nachfrage allein hinausblicken und auch Preissetzungsmacht und Margen prüfen. Das ist die nüchterne Antwort auf die Frage, warum der Kurs fällt, obwohl Südkoreas Führung bei HBM-Chips für KI-Beschleuniger vorerst nicht unmittelbar infrage steht.