Marble Cognition zeichnet mit seiner Desktop-App den Bildschirm, Klicks und Tastenanschläge in den geschäftlichen Apps auf, die Menschen bei der Arbeit nutzen – laut Siliconrepublic aber nie in privaten Apps, privaten Tabs oder außerhalb der Arbeitszeiten. Aus diesen Aufzeichnungen soll laut dem Unternehmen eine strukturierte Karte jedes Prozesses entstehen, die KI wie Code lesen kann. Wer Arbeitsdaten so eng erfasst, sollte die Grenze zwischen geschäftlicher und privater Nutzung nicht nur behaupten, sondern belegen.
Felix Rösner zufolge werden die Coworkers von Marble Cognition erst nach einer Beobachtungsphase aktiv. Die Plattform erstellt laut Marble Cognition agentische Coworker, die jeden Prozess durchgängig in den Werkzeugen ausführen, die Teams bereits nutzen, wobei Menschen dort eingebunden bleiben, wo Urteilsvermögen gefragt ist.
Automatisieren, aber nicht blind
Laut SiliconANGLE wurden die Coworkers bei einem von Private Equity unterstützten US-Finanzdienstleistungsunternehmen so konfiguriert, dass sie Vergleichsangebote zur menschlichen Prüfung erstellen. Der Mensch entscheidet also, die Maschine legt vor – genau das ist der Unterschied zwischen einem Werkzeug und einem Autopiloten.
Wo diese Verarbeitung stattfindet, lässt sich offenbar steuern: SiliconANGLE zufolge kann die gesamte Verarbeitung der Modelle in der privaten Cloud oder in der lokalen Umgebung des Kunden erfolgen. Siliconrepublic ergänzt, dass laut Marble Cognition alles, was die Plattform erfasst, anonymisiert wird, bevor eine Person oder ein KI-Modell es sieht. Beides bleibt eine Zusage des Anbieters, keine geprüfte Eigenschaft – und bei Arbeitsdaten dieser Nähe ist die Prüfung der eigentliche Knackpunkt.
Das Versprechen muss sich rechnen
Laut SiliconANGLE nennt Marble Cognition für ein US-Finanzdienstleistungsunternehmen mit Private-Equity-Hintergrund konkrete Zahlen: Die Bearbeitungszeiten von Fällen seien um 90 Prozent gesunken. Dadurch habe die Belegschaft rund 50 Prozent mehr Ansprüche bearbeiten können, ohne zusätzliches Personal einzustellen. Solche Werte klingen beeindruckend, bleiben aber Unternehmensangaben aus einer einzelnen Quelle – nachgerechnet hat sie niemand.
Felix Rösner zufolge hat Marble Cognition bereits erhebliche Effizienzgewinne für frühe Anwender wie EGYM GmbH, Mutares SE & Co. KGaA und Enam GmbH erzielt. Wie hoch diese Gewinne ausfallen, verrät die Quelle nicht. Ein Versprechen ohne belastbare Vergleichsgröße bleibt ein Versprechen.
SiliconANGLE ergänzt, dass die Plattform auch nicht geschäftlich veranlasste Computernutzung erkennt und aus den gesammelten Daten ausschließt, etwa Facebook-Aufrufe während der Mittagspause.
3,75 Millionen Dollar für den nächsten Schritt
Hinter der Runde stehen zwei Gründer: Felix Rösner ist Mitgründer und CEO von Marble Cognition, Christophe Schmit der zweite Mitgründer und CTO, wie Siliconrepublic berichtet. Die Finanzierungsrunde führten Heartcore Capital und Seedcamp gemeinsam an, ergänzt Siliconrepublic.
