Im Juni 2024 bekamen zwei junge Gründer in einem Sanitärbetrieb in Sacramento fünf Minuten Zeit – und daraus wurde ein halbstündiges Gespräch. Marcelle Flowers hatte Monate zuvor den Verkauf ihres Betriebs Armstrong Plumbing platzen sehen, wie Fortune berichtet.

Zuvor waren Jain und Ketkar im Frühjahr durch rund 140 Betriebe von Auftragnehmern in Nordkalifornien gezogen, mit einem Tagebuch statt Laptops und ohne Verkaufsgespräch, wie Fortune ergänzt. Aus diesen Notizen entwickelten sie ein Produkt, das nicht am Reißbrett entstand, sondern an der Werkbank.

Bei Flowers zeigte sich schnell, wo der Schuh drückte: Sie zahlte laut ihrer eigenen Darstellung 5.000 US-Dollar im Monat für einen Answering-Service, der Aufträge nur in 33 Prozent der Fälle in ihre Software eintrug. Sie fragte die Gründer, ob sie für eingehende Anrufe leisten könnten, was sie bereits für ausgehende Anrufe getan hatten. „Das hatten wir in 10 Tagen“, sagte sie. Flowers wurde damit die erste Kundin von Broccoli AI, dann Beraterin und schließlich COO des Unternehmens, wie Fortune berichtet.

Was die Agenten übernehmen

In den vergangenen sieben Monaten hat Broccoli AI sein Angebot über Sanitär, Heizung/Klima und Elektrik hinaus ausgeweitet – auf Dachdecken, Poolpflege, Garagentore, Heimwerkerarbeiten und Außenbereiche, wie Fortune ergänzt. Der Schritt ist keine neue Technik, sondern eine neue Zielgruppe: Betriebe, deren Anrufe und Aufträge nach demselben Muster laufen wie bei einem Sanitärbetrieb.

Wie weit die Agenten dabei tatsächlich kommen, beschreibt Mitgründer und CEO AJ Jain selbst: Die KI bewältige etwa 80 Prozent der Aufgaben, sagte er laut Fortune. Die übrigen 20 Prozent brauchen menschliches Urteilsvermögen – Notfälle etwa, wenn ein Keller überflutet oder ein Feuer gemeldet wird, gehen an die Mitarbeiter im Büro des Handwerksbetriebs. Die Grenze verläuft also mitten im Tagesgeschäft: Der Agent nimmt an, der Mensch übernimmt, sobald es brennt.

52 Millionen für die nächste Ausbaustufe

Wie schnell dieser Stand erreicht wurde, beschreibt Mitgründer AJ Jain selbst: Der Umsatz habe sich seit der Series A verdreifacht, und die Mitarbeiterzahl sei binnen 12 Monaten von 15 auf mehr als 150 gestiegen, sagte er laut Fortune. Beide Zahlen sind seine Angaben, keine unabhängig geprüften Kennzahlen.

Eine mit der Sache vertraute Person nannte Fortune zufolge eine Bewertung von 300 Millionen US-Dollar nach der Finanzierung (Post-Money); Broccoli AI selbst wollte sich zur Bewertung nicht äußern.

Automatisierung mit Grenze

Wie weit das Ganze noch wachsen soll, beschreibt Mitgründer und CEO AJ Jain laut Fortune mit einer nüchternen Selbstauskunft: Broccoli AI habe vielleicht 1 % dessen gebaut, was es plane. Der Wettbewerb um dieses Wachstum reicht ihm zufolge bis auf den Immobilienmarkt – die KI-Labors konkurrierten mit Broccoli AI „nicht nur um Talente, sogar um Immobilien“, ergänzt Jain.