Die Wasserzeichen-Lücke bei Claude Opus 4.6 und Claude Sonnet 4.6: Laut Tpsreport und The Decoder reicht eine geringfügige Änderung an einem der Sampling-Parameter aus, um das Wasserzeichen auf diesen beiden Modellen zu umgehen. Die drei Sampling-Parameter temperature, top_p und top_k steuern, wie viel Zufälligkeit das Modell bei der Wortwahl verwendet. Darüber berichtet TechCrunch.
Anthropic rüstet ältere Modelle nach
Anthropic weitet sein Text-Wasserzeichen auf vier weitere Claude-Modelle aus: Claude Mythos 5, Claude Opus 4.7, Claude Opus 4.6 und Claude Sonnet 4.6. Laut Anthropic geschieht das, um die EU-KI-Verordnung einzuhalten – gemeinsam mit mehreren anderen großen KI-Anbietern. Die vier Modelle tragen das Wasserzeichen damit nach – der Schritt ist eine Nachrüstung, keine Neuentwicklung.
Die Ausweitung wirkt zunächst wie ein flächendeckender Transparenzschritt: Jedes nach dem 2. August 2026 veröffentlichte Modell kam laut The Decoder bereits am ersten Tag mit dem Wasserzeichen. Ältere Modelle erhalten die Kennzeichnung dagegen stufenweise – jetzt trifft es die vier genannten. Dass Anthropic die älteren Modelle jetzt nachzieht, hat einen konkreten Anlass: die Dezember-Frist des EU AI Act.
Doch der flächendeckende Eindruck kippt beim Blick auf zwei der vier Modelle.
Was das Wasserzeichen tatsächlich verrät
Anthropic setzt bei der Kennzeichnung auf eine Variante von Google DeepMinds SynthID-Text-Methode, die die Zufälligkeit der Wortauswahl anpasst, um ein statistisch erkennbares Muster zu erzeugen. Das Unternehmen nennt das Wasserzeichen ein „imperceptible pattern in word choice“, das Bedeutung, Qualität und Lesbarkeit nicht verändere, wie The Decoder berichtet. Laut Anthropic fügt die Kennzeichnung keine zusätzlichen Zeichen oder Tokens hinzu, beeinflusst weder Preisgestaltung noch Anfrage- und Antwortformate und bremst die Ausgabegeschwindigkeit kaum.
Wer das Muster prüfen will, kann dafür auf eine Erkennungs-API zurückgreifen, die Anthropic in privater Vorschau bereithält. Das Wasserzeichen verrät damit, ob ein Text statistisch zu Claude passt – es belegt aber nicht, wer ihn tatsächlich geschrieben hat, und bei zwei älteren Modellen lässt es sich ohnehin mit einer kleinen Änderung an den Sampling-Einstellungen umgehen.
Kein Herkunftsstempel für Menschen
Ein Treffer sagt also nicht, wem ein Text gehört. Anthropic zufolge verändert das Wasserzeichen nicht, wem eine Ausgabe gehört oder wer rechtlich für sie verantwortlich ist, und es sagt nichts über Eigentum oder Urheberschaft aus. Wer eine Ausgabe prüft, erfährt damit nur, ob sie statistisch zu Claude passt – mehr nicht.
Das Muster sitzt im Text selbst. Laut der Support-Seite wandert es beim Kopieren und Einfügen an andere Stellen mit und kann einige Bearbeitungen überdauern. Wie viel Bearbeitung nötig ist, um es zu entfernen, ist unklar.
Anthropic gibt an, das Wasserzeichen enthalte keine Informationen über den Nutzer, dessen Organisation oder dessen Gespräche mit Claude. Für Leser und Organisationen heißt das: Ein Treffer ist ein Hinweis auf eine mögliche Claude-Beteiligung, kein Herkunftsnachweis für einen Menschen.
