Reservoir Media Management wirft Suno und Anthropic in zwei separaten Klagen Urheberrechtsverletzung vor, außerdem die Umgehung von Beschränkungen wie Logins und Paywalls und das Entfernen von Song-Credits mit Titel-, Autor- und Verlagsangaben. Beim Musikgenerator Suno beziffert die Klage 1.050 ausgelesene, urheberrechtlich geschützte Songs, darunter Cashs „Ring of Fire“, Mitchells „Both Sides Now“ und Madonnas „Papa Don’t Preach“, wie CNET berichtet. Genannt werden dort auch Mitchells „Big Yellow Taxi“, Billy Strayhorns „Lush Life“ und Evanescences „Bring Me to Life“. Ein Rechteverwerter, der Songs einzeln auflistet, betreibt keinen Rundumschlag, sondern rechnet Position für Position ab.
Der Vorwurf reicht über das Training hinaus: Laut CNET sollen die Unternehmen Logins und Paywalls umgangen und die Angaben zu Titel, Autor und Verlag aus den Songs entfernt haben. Damit steht nicht nur zur Debatte, was die Modelle gelernt haben, sondern auch, wie die Daten dorthin kamen.
Die Trainingsdaten werden zum Streitpunkt
Reservoir stützt den Vorwurf bei Suno auf ein früheres Zugeständnis: Das Unternehmen habe bereits eingeräumt, „im Wesentlichen alle Musikdateien von angemessener Qualität, die im offenen Internet zugänglich sind“, kopiert zu haben, heißt es in der Klage laut CNET. Diese Aussage habe Suno 2024 vor Gericht in einem Verfahren gemacht, das Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group angestrengt hatten. Ein solches Zugeständnis aus einem anderen Verfahren ist kein Beweis für die neue Klage, aber es verschiebt die Beweislast in eine unangenehme Richtung.
Konkreter als jede allgemeine Klage ist der Datenfund, über den CNET berichtet: Ein Hack zeigte mehr als 2 Millionen Clips in einem Ordner namens „youtube_music“. Hinzu kamen Tausende Stunden Musik aus der Liedtextdatenbank Genius HQ, dem Musikstreamingdienst Deezer und der Stock-Musikseite Pond5. Vier Quellen in einem Ordner, der sich selbst beim Namen nennt – das ist die Art Detail, die aus einem Vorwurf eine Aktennotiz mit Adresse macht.
Vor Gericht ist die Sache offen
Suno und Anthropic bestreiten die Vorwürfe nicht stillschweigend.
Der rechtliche Rahmen ist für beide Unternehmen kein Neuland. Anthropic wurde laut CNET mehr als ein Dutzend Mal wegen Urheberrechtsverletzung verklagt, am prominentesten in einem Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar wegen des Vorwurfs, seine KI mit Millionen raubkopierter Bücher trainiert zu haben. Auch Suno sieht sich mehreren Urheberrechtsklagen gegenüber, darunter einer zweiten von Sony Music und Universal Music Group.
Die 338 Millionen US-Dollar sind eine Forderung, kein Urteil. Bis eine Entscheidung fällt, bleibt offen, ob die genannten Songs und Liedtexte tatsächlich ohne Erlaubnis im Training landeten und was das kostet.
