Es sind Tensor Processing Units, kurz TPUs, also Chips, die Google entwirft und die Anthropic für Training und Betrieb seiner Modelle nutzt. Im zweiten Quartal gab Anthropic weniger als 2 Milliarden US-Dollar pro Monat für Compute und Infrastruktur aus. Der SpaceX-Deal allein soll bei voller Kapazität etwa 3,1 Milliarden US-Dollar pro Monat kosten, so GeekWire.

Zwischen dem heutigen Monatsaufwand und der vollen Kapazität liegt damit eine Lücke von mehr als einer Milliarde US-Dollar monatlich, die sich nicht wegverhandeln lässt. Denn die meisten Verpflichtungen können nicht gekündigt werden. Die Vereinbarungen mit Microsoft, Google und Amazon verpflichten Anthropic laut dem Prospekt zur Zahlung „unabhängig von der tatsächlichen Nutzung“, wie GeekWire zitiert. Bezahlt wird die bestellte Kapazität, nicht die abgerufene – ein Unterschied, den die Bilanz nicht kennt.

Google und SpaceX vor Amazon

Hinter den 3,1 Milliarden US-Dollar monatlich steht ein Vertrag, den GeekWire nennt: Bis 2029 will Anthropic bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar für Rechenkapazität bei SpaceX’ KI-Tochter ausgeben, die früher als xAI firmierte und ein konkurrierendes KI-Labor betreibt. Anthropic kauft die Kapazität also bei einem Wettbewerber.

Amazon taucht in derselben Aufstellung nicht als größter Posten auf, obwohl der Konzern Milliarden investiert hat. Im April 2026 verpflichtete sich Anthropic laut GeekWire, mindestens 110 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre bis April 2036 bei Amazon Web Services auszugeben. AWS Trainium ist eine von vier Chip-Familien, mit denen Anthropic seine Modelle trainiert und betreibt.

Die Google-Seite setzt sich aus mehreren Blöcken zusammen: 114,5 Milliarden US-Dollar gehen direkt an Google bis Juli 2033, 161,2 Milliarden US-Dollar stecken in Ausrüstungs-Leasingverträgen mit dem Chiphersteller Broadcom. Für zusätzliche TPU-Kapazität von 2028 bis 2031 veranschlagt der Prospekt geschätzte 125 bis 150 Milliarden US-Dollar.

Die Kontrolle ist dreifach verteilt

Beim Blick auf die Machtverhältnisse wird es unübersichtlich. Anthropic hat einem Long-Term Benefit Trust (LTBT) erhebliche Kontrolle über seinen Vorstand übertragen, so TechCrunch. Das unabhängige Gremium soll das Unternehmen auf seine Mission zum Wohle der Menschheit ausrichten. Konkret besitzt der Trust eine Aktienklasse, die ihm erlaubt, eine Mehrheit des Vorstands zu wählen und abzuberufen – die Class-T-Direktoren.

Daneben halten die sieben Gründer gemeinsam eine spezielle Aktienklasse. Sie verleiht einer Mehrheit von ihnen 50,1 Prozent der Aktionärsstimmrechte, ergänzt TechCrunch. Damit dürfen sie drei Mitglieder des Verwaltungsrats wählen. Die Mehrheit der Vorstandssitze liegt beim Trust, die Stimmenmehrheit bei den Gründern.

Ein Börsengang mit offenen Flanken

Vor dem ersten Handelstag steht ein Stapel Papier, der es in sich hat: Das S-1-Dokument von Anthropic enthält laut CNBC mehr als 90 Seiten mit Risikofaktoren. Auf einer dieser Seiten steht der Verlust von 80,7 Milliarden Dollar für das erste Halbjahr 2026, ebenfalls nach CNBC-Angaben.

Zu den benannten Gefahren zählt das Dokument „material revenue losses“ durch Maßnahmen der Trump-Administration, wie CNBC aus dem Prospekt zitiert.

Der Zeitplan für die Notierung ist eng: Dem Wall Street Journal zufolge will Anthropic in der darauffolgenden Woche an die Börse gehen, wie GeekWire berichtet. Zwischen Prospekt und erstem Kurs liegen also nur wenige Tage – und mit ihnen die Frage, ob Investoren die festen Compute-Zahlungen und die Vorstandsmehrheit des Long-Term Benefit Trust als zwei getrennte Themen lesen oder als eines.