Doch der Blick auf das laufende Geschäft zeigt, wie weit diese Summe vom heutigen Betrieb entfernt ist. Laut Fortune kostete Compute das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 rund 5,6 Milliarden US-Dollar und war damit der größte Betriebsaufwand. Im selben Quartal erzielte Anthropic 11,6 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Fortune rechnet vor, dass Anthropic etwas mehr als zwei Dollar für jeden für Compute ausgegebenen Dollar erwirtschaftete. Das aktuelle Verhältnis von Umsatz zu Rechenkosten trägt also noch, gemessen an dem, was danach kommt.
Etwa ab dem 30. September 2026 begann Anthropic, Kaufverpflichtungen und Leasingverträge für Anthropic Direct einzugehen, berichtet Fortune.
Ein Umbau der Beschaffung
Um die Abhängigkeit von seinen Konkurrenten zu verringern, verfolgt Anthropic laut Fortune eine neue Compute-Strategie namens Anthropic Direct, die im Wesentlichen den Aufbau eigener Rechenzentren bedeutet. Gebaut und betrieben werden diese Zentren allerdings nicht von Anthropic selbst: Drittanbieter sichern Immobilien, Energie und Einrichtungen und verwalten die Rechenzentren laufend, während Anthropic den benötigten Compute von ihnen least. Die Abhängigkeit von Amazon, Google und Microsoft verschiebt sich damit zu den Partnern, die Bau, Strom und Betrieb tragen.
Damit die Workloads über verschiedene Chips laufen können, hat Anthropic nach Angaben von Fortune eine proprietäre Orchestrierungsschicht gebaut. Sie optimiert, welche Aufgaben auf welchen Chips der verschiedenen Cloud-Anbieter laufen, darunter AWS Trainium, Google TPUs, Nvidia GPUs und AMD GPUs.
Derselbe Anbieter, zwei Rollen
Anthropic sichert Compute über drei Haupt-Cloud-Anbieter: Amazon, Google und Microsoft. Laut Fortune beschreibt das S-1 diese Beziehung als „vielschichtig und komplex“: Dieselben Anbieter, die Rechenleistung liefern, sind zugleich Konkurrenten, die Compute für eigene KI-Produkte brauchen und ihre eigenen Bedarfe priorisieren könnten. Wer Rechenleistung verkauft und gleichzeitig Modelle entwickelt, sitzt an zwei Enden desselben Tisches.
Am 31. Dezember 2025 unterzeichnete Anthropic einen Compute-Vertrag über 417 Milliarden US-Dollar mit verschiedenen Anbietern. Fortune zufolge ist diese Zusage der größte Baustein im gesamten Ausgabengerüst.
Von Mai bis Oktober 2026 schloss Anthropic nach Angaben von Fortune eine Reihe von Verträgen mit SpaceX, um bis 2029 Zugang zu Compute-Leistungen im Wert von bis zu 120,5 Milliarden US-Dollar zu erhalten.
Strom als offener Punkt
Anthropic rechnet laut dem S-1 mit „erheblichen Energiebedarfen“ und hat Verträge zur Stromerzeugung und Infrastruktur unterzeichnet – ohne Art der Verträge oder Energiequelle zu nennen, wie Fortune berichtet.
Das größte Risiko sieht das Unternehmen nach eigener Darstellung darin, den Strom überhaupt zum Rechenzentrum zu bringen. Genehmigungen, rechtliche Anfechtungen und Lieferkettenstörungen könnten diesen Schritt verzögern, heißt es in dem Dokument, aus dem Fortune zitiert.
