Der Vergleich ist kein historischer Exkurs, sondern eine These über die Gegenwart: Modellfortschritt hängt von Energie, Mineralien, Chips und Kapital ab. Wer diese Abhängigkeiten ignoriert, übersieht, dass Software wieder zu einer knappen und damit geopolitisch bedeutsamen Ressource geworden ist. Die East India Companies waren keine harmlosen Handelsvereine, sondern mit staatlichen Privilegien ausgestattete Akteure, die eigene Armeen unterhielten und ganze Regionen kontrollierten.

Die Parallele macht sichtbar, dass technologische Macht nicht im luftleeren Raum entsteht, sondern auf Rohstoffen, Rechenleistung und Arbeitskraft beruht. Ob die Analogie trägt, entscheidet sich an der Frage, ob OpenAI und Anthropic tatsächlich über eigene Armeen und Chartas verfügen oder ob sie lediglich von denselben knappen Ressourcen abhängen.

Die wunden Punkte der Chatbot-Ökonomie

Doch die Autoren bleiben nicht bei der historischen Parallele stehen. Der Historiker Niall Ferguson, die Forscherin Lisa Klaassen und der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt argumentieren, dass hohe Schulden, innerstaatlicher Widerstand und ein möglicher Krieg um Taiwan beide Mächte bedrohen. Das sind keine Randnotizen, sondern die wunden Punkte einer Ökonomie, die auf knappen Ressourcen und globalen Lieferketten aufbaut.

The Decoder zufolge bezeichnen die Autoren Rohstoffe aus dem Kongo und Datenarbeiter in Kenia, die wenige Dollar pro Stunde verdienen, als „the plantation economics of the chatbot age“. Diese Formulierung ist eine Zuspitzung der Autoren, keine neutrale Beschreibung. Sie macht aber sichtbar, wer die Rechenleistung mit billiger Arbeit und billigen Rohstoffen bezahlt.

Die Risiken, die Ferguson, Klaassen und Schmidt nennen, sind nicht bloß technischer Natur. Schulden, Widerstand im eigenen Land und ein möglicher Krieg um Taiwan treffen die Grundlagen, auf denen die KI-Industrie steht.