Ein Unternehmen hatte ein Dutzend spezialisierter Sub-Agenten in seinem kundenorientierten Agenten laufen. Laut The Decoder machte das eine konsistente Markenerfahrung schwer und beeinträchtigte die Nutzbarkeit durch hohe Latenz. Ein Dutzend Spezialisten klingt nach Arbeitsteilung, ist in der Praxis aber vor allem ein Dutzend Übergaben.

Nach den Erfahrungen von Anthropic können viele spezialisierte Sub-Agenten zu höherer Latenz und steigenden Kosten führen, wie The Decoder ergänzt. Hinzu kommt Informationsverlust bei jedem Übergang. Jede zusätzliche Station im Ablauf ist eine Stelle, an der etwas verloren gehen kann.

Weniger Orchestrierung, mehr Kontext nach Bedarf

Anthropic rät davon ab, jedem Team einen eigenen Agenten zu geben. Stattdessen sollen Workflows in Skills verpackt und Tools bei Bedarf über eine Tool-Suche geladen werden, wie The Decoder berichtet. Ein sauberer System-Prompt, vier oder fünf schlanke Datenwerkzeuge und feste Ausgabe-Guardrails decken laut dem Unternehmen einen Großteil des jeweiligen Anwendungsfalls ab.

Für Referenzmaterial wie Richtlinien, Produktspezifikationen oder Metrikdefinitionen empfiehlt Anthropic Wissensdatenbanken, die der Agent nur bei Bedarf über ein Suchwerkzeug abfragt, ergänzt The Decoder. Der Agent trägt also nicht mehr alles mit sich herum, sondern holt sich genau das, was er für den nächsten Schritt braucht.

Der Haken an der einfachen Regel

So einfach die Regel „ein Agent reicht“ klingt, sie hat einen Haken. Laut The Decoder bleiben Sub-Agenten sinnvoll, wenn die Kontextfensterleistung eines einzelnen Agenten messbar nachlässt, mehrere Aufgaben parallel mit getrennten Kontextfenstern laufen müssen oder ein einzelner Agent Schwierigkeiten bei der Tool-Auswahl hat. Das sind keine Ausnahmen aus Bequemlichkeit, sondern messbare Grenzen.

Dass mehr Agenten nicht automatisch schneller sind, zeigt ein Vergleich von Anthropic: Die Single-Agent-Architektur lief laut The Decoder etwa doppelt so schnell wie das Multi-Agenten-Setup. Gleichzeitig warnt Anthropic davor, Sub-Agenten blind einzubinden: In einem Test mit einem Support-Agenten verringerte das Einbinden eines Sub-Agenten zwar die Latenz, brach jedoch einen zuvor funktionierenden Prozess. Wer nur auf die Latenz schaut, kann sich also ein funktionierendes System zerschießen.

Anthropic weist zudem darauf hin, dass die Autonomie von Agenten höhere Kosten und das Risiko sich verstärkender Fehler mit sich bringt. Deshalb empfiehlt das Unternehmen umfangreiche Tests in Sandbox-Umgebungen sowie geeignete Guardrails.

Erst messen, dann aufrüsten

Bei Anthropic verbrachte das Team beim Bau des Agenten für SWE-bench mehr Zeit mit der Optimierung der Tools als mit dem Gesamt-Prompt. Anthropic ergänzt, dass beim Implementieren drei Kernprinzipien gelten: Einfachheit im Design bewahren, Transparenz durch explizites Anzeigen der Planungsschritte priorisieren und die Agent-Computer-Schnittstelle durch gründliche Tool-Dokumentation und Tests sorgfältig gestalten.

Wer einen Sub-Agenten einbaut, sollte den Vergleich dokumentieren – Latenz, Kosten, Qualität, Fehlerbilder –, bevor er die Architektur umbaut.