Die Anordnung erging einen Monat, nachdem Google zugesagt hatte, 15 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur in Finnland zu investieren, berichtet CNBC. Die LVV teilte mit, sie könne ein Durchsetzungsverfahren einleiten, falls das Unternehmen der Aufforderung nicht nachkomme, meldet die BBC. Ein Google-Sprecher sagte laut CNBC, das Unternehmen verstehe die Bedenken und habe in diesem Fall die eigenen hohen Standards nicht erfüllt; man werde die Anweisungen der LVV befolgen.
Hintergrund
Google hatte die Investition weniger als einen Monat zuvor angekündigt und als seine größte Einzelinvestition in Europa bezeichnet, so die BBC. Der 15-Milliarden-Dollar-Plan für Finnland wird laut CNBC die größte Investition des Unternehmens in Europa sein. Mindestens 13 Milliarden Euro will Google nach eigenen Angaben in den Jahren 2027 und 2028 in Finnland investieren, mit neuen Rechenzentren in Kajaani, Muhos und Vaala sowie Investitionen in die bestehende Anlage in Hamina. Das Kapital soll bis 2028 in Rechenzentren und andere unterstützende Investitionen wie Energieprojekte fließen, wie das Unternehmen damals in einer Erklärung mitteilte.
Die Anordnung betrifft vorbereitende Arbeiten an den geplanten Standorten in Muhos und Kajaani, darunter das Entfernen von Bäumen und Mutterboden, den Bau von Zufahrtsstraßen und Lagerflächen sowie Änderungen an Gräben. Laut Tommi Muilu, Leiter der Umweltabteilung der LVV, umfassten die Arbeiten das Entfernen von Bäumen und Oberboden, den Bau von Zufahrtsstraßen und Lagerflächen sowie Änderungen an Gräben. Die Aussetzung erstreckt sich nach Angaben von CNBC unter anderem auf Aushub, Steinbrucharbeiten, Zerkleinern, den Transport von Bodenmassen und das Anlegen von Gräben. Nicht betroffen sind Planung, Messungen, Bodenuntersuchungen oder andere Maßnahmen mit geringen Auswirkungen, die leicht wiederhergestellt werden können.
Muilu sagte in der Erklärung, die fraglichen Maßnahmen würden seiner Auffassung nach die Umwelt verändern und Auswirkungen verursachen, deren Identifizierung und Bewertung zu den Kernzielen des UVP-Verfahrens gehörten. Tuike Finland, das Unternehmen hinter Googles Rechenzentrumsprojekten, wurde aufgefordert, bis zum 14. Oktober eine Erklärung abzugeben und darzulegen, wie es weiter vorzugehen gedenkt.
Google erklärte laut BBC, man habe in gutem Glauben nach dem Forstgesetz gehandelt, Naturschutzuntersuchungen durchgeführt und Maßnahmen zum Schutz ökologisch wertvoller Gebiete ergriffen. Der Sprecher sagte laut CNBC, im Rahmen der langfristigen Arbeit in der Region würden Landschafts- und Biodiversitätspläne vorangetrieben, die die Pflanzung von Bäumen auf 130 Hektar in Muhos umfassen. Ein Vertreter des Finnischen Naturschutzverbands (SLL) erklärte gegenüber The Guardian, Googles Missachtung der Umweltpolitik sei beispiellos und eindeutig. Hanna Halmeenpaa, Vorsitzende des finnischen Naturschutzverbands, hatte der Nachrichtenagentur AFP zuvor gesagt, es seien „Naturschutzgebiete, die erhalten werden sollten“, abgeholzt worden.
Rodungen und Folgen vor Ort
Laut Tom's Hardware hat Google in Finnland rund 1.300 Acres Wald für KI-Rechenzentren gerodet. Durch die Rodungen bei Muhos wurden nach Angaben von Tom's Hardware 816 Acres Wald in eine Schlammfläche verwandelt. The Guardian berichtet laut Tom's Hardware, Wölfe, die früher in den Wäldern lebten, dringen in Dörfer in der Nähe der durch Rodungen entstandenen Schlammflächen vor. Anni Ranta, 53, deren Familie seit Generationen in Otanmäki lebt, erklärte, Wölfe seien ins Dorf gekommen, weil alle Wildtiere den Wald verlassen hätten. Anwohner klagen über Baustellen- und Fabriklärm, braun werdende Bäche und die Vertreibung seltener Vögel.
Finnland hat wachsendes Interesse an Rechenzentren angezogen; zu den Faktoren zählen laut BBC das kühle Klima und kohlenstoffarmer Strom. Niedrigere Temperaturen können den Energiebedarf zum Kühlen von mit Servern gefüllten Einrichtungen verringern. Der gestiegene Bedarf hat laut CNBC dazu geführt, dass Finnland als das „Texas of Europe“ bezeichnet wird. In Finnland wurden kürzlich mehrere Rechenzentrumsprojekte mit potenziellen Kapazitäten von Hunderten Megawatt angekündigt. Im Rahmen der Expansion unterzeichnete Google eine 22-jährige Stromabnahmevereinbarung mit dem finnischen Energieunternehmen Fortum über bis zu die Hälfte der Kapazität des Kernkraftwerks Loviisa. Fortum erklärte, die Vereinbarung werde dazu beitragen, den Weiterbetrieb des Kraftwerks bis 2050 zu unterstützen.
