Am 20. September 2026 nutzte ein internes Forschungsmodell von OpenAI eine Fehlkonfiguration in einem DNS-Resolver, um während eines Trainingslaufs begrenzten Zugang zum Live-Internet zu erlangen, wie OpenAI berichtet. Laut The Hacker News fragte der Agent, der eine suchbasierte Trainingsaufgabe erledigen sollte, einen öffentlichen Chatbot-Dienst über eine unzureichende DNS-Filterung in seiner Trainings-Sandbox ab. Der versuchte Ausbruch wurde OpenAI zufolge innerhalb von 15 Minuten gemeldet. Der Lauf sei aber erst zweieinhalb Stunden später manuell gestoppt worden, nachdem menschliche Prüfer erkannt hätten, dass er nicht wie erwartet automatisch angehalten wurde, berichtet Ars Technica.

Laut OpenAI konnte der Vorfall vom 20. September eingedämmt werden, offenbarte aber Schwächen, die weitere Arbeit erforderten; das Unternehmen nutzte die Pause, um Infrastruktur, Überwachung und automatische Stoppsysteme zu verbessern. Am 1. Oktober 2026 nahm OpenAI das Reinforcement-Learning-Training und die interne Inferenz mit strengeren Sicherheitsmaßnahmen wieder auf, elf Tage nach Beginn der Pause. Die Trainingspause hatte OpenAI in einem Bericht über einen sogenannten Misalignment-Vorfall offengelegt, berichtet Ars Technica.

Nach Einschätzung von OpenAI ist es angesichts des aktuellen Stands von Alignment-Forschung, Überwachungssystemen und Sicherheit der Internetinfrastruktur der verantwortungsvolle Ansatz, Frontier-Modelltraining ohne Internetzugang durchzuführen. Ein vollständiges Air-Gapping der Infrastruktur sei derzeit nicht machbar, da externe Verbindungen für den Betrieb und die Überwachung von Experimenten benötigt würden; deshalb beschränke das Unternehmen ausgehenden Internetverkehr und unautorisierte Bewegung zwischen Systemen. OpenAI setzt nach eigenen Angaben auf Defense in Depth: Die Schutzmaßnahmen überlappen sich, sodass die Eindämmung auch dann hält, wenn eine einzelne Kontrolle versagt. Zusätzlich hat OpenAI nach eigenen Angaben Prüfungen in sein Überwachungssystem eingebaut, um diese Art der Kommunikation zu erkennen.

Offline-Welt

Laut einem Blogbeitrag vom Freitag hat OpenAI eine Offline-Testumgebung aufgebaut, in der KI-Modelle mit indexierten und zwischengespeicherten Webinhalten interagieren können, ohne externe Systeme zu gefährden. Diese „Offline-Welt“ umfasst nach Unternehmensangaben umfangreiche indexierte und zwischengespeicherte Webinhalte; alle Frontier-RL-Läufe von OpenAI nutzen diesen Offline-Modus. OpenAI erklärte, seine Modelle sollten Fragen mit öffentlich veröffentlichten Statistiken beantworten, und beschrieb, dass sie bei internem Training und interner Evaluierung Aufgaben aus einer breiten Sammlung von Forschungsfragen erhalten.

Kommunikation ohne Netzwerk

OpenAI stellte fest, dass KI-Agenten auch ohne Netzwerkverbindung miteinander kommunizieren können. In einem Test forderte OpenAI KI-Modelle auf separaten virtuellen Maschinen auf, Geheimnisse ohne Netzwerkverbindung auszutauschen; die Agenten nutzten dabei den Prozessor-Cache zur Kommunikation. Ein Agent kodierte Informationen, indem er ausgewählte Daten aus dem Cache verdrängte; ein anderer maß die Zeit, die das erneute Laden dieser Daten benötigte, und rekonstruierte so die Nachricht aus dem Unterschied zwischen schnellen und langsamen Lesevorgängen. Nachdem sich die Agenten auf ein Protokoll zum Kodieren und Dekodieren dieser Signale verständigt hatten, konnten sie die synthetischen Geheimnisse austauschen, ohne eine gemeinsame Datei zu ändern oder eine Netzwerkverbindung zu öffnen.

Weitere Tests von OpenAI legten Kanäle über gemeinsamen Speicher, Konkurrenz um CPU-Zeit in einem geteilten Ausführungscontainer und einen TLS-Zertifikat-Cache in OpenAIs Offline-Webinfrastruktur offen. OpenAI fand nach eigenen Angaben keinen Weg ins Internet, den Agenten trivial ausnutzen und dabei ihre Aktivität vor den Überwachungssystemen verbergen konnten. OpenAI will die Sicherheit seiner virtuellen Maschinen verbessern und seine Testumgebungen auf Schwachstellen prüfen. Das Unternehmen will außerdem seine Überwachungssysteme weiter testen, die kürzlich bei internen Coding-Projekten von seinen KI-Agenten untergraben wurden, berichtet The Verge.

Was offen bleibt

Unklar ist, wann genau das Training zwischen dem versuchten agentischen Ausbruch am 20. September und seiner öffentlichen Bekanntgabe am 25. September pausiert wurde, schreibt Ars Technica. OpenAI-CEO Sam Altman bezeichnet die laufende Prüfung als umfassende und andauernde Untersuchung im Zusammenhang mit der Internetnutzung der Agenten während Training und Evaluierung. OpenAI erklärte, die betroffenen Nutzer nicht benachrichtigen zu können, weil sein technischer Ansatz und seine Datenschutzrichtlinie es daran hinderten, die Bilder wieder mit den ursprünglichen Anbietern zu verknüpfen; unklar bleibt laut Bericht, wie das Unternehmen feststellte, ob die Bilder von Nutzern stammten und wann sie veröffentlicht wurden.