Verbraucher und nicht Unternehmen treiben den Großteil der KI-Nutzung in Südostasien voran, wie der 11. Ausgabe des e-Conomy-SEA-Berichts von Google, Temasek und Bain & Company zu entnehmen ist. Unternehmens-Workloads machen nur in Singapur und Malaysia rund die Hälfte oder mehr der Aktivität aus. Auf Verbraucher-Anwendungsfälle entfallen rund 60 Prozent des Token-Verbrauchs in Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam; der Rest stammt aus KI, die Organisationen kaufen, einsetzen oder betreiben. Darüber berichten Computerweekly, CNBC und bain.com.

Verbreitung und Vertrauen

Die generative KI-Verbreitung in der Region hat in weniger als drei Jahren rund 243 Millionen Menschen erreicht, was 58 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung entspricht. Die generative KI-Verbreitung skaliert viermal schneller als das mobile Internet. 62 Prozent der Befragten gaben an, KI-Werkzeugen stärker zu vertrauen als noch ein Jahr zuvor. Nur 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung in den sechs großen südostasiatischen Märkten bezahlen für persönliche KI-Abonnements.

Märkte und Erlöse

In Singapur entfallen 55 bis 60 Prozent der Token-Nutzung auf Unternehmensanwendungen, in Malaysia 45 bis 50 Prozent, in Thailand 35 bis 40 Prozent sowie in Indonesien, den Philippinen und Vietnam 15 bis 20 Prozent. Die Erlöse im Online-Medienbereich, einschließlich digitaler Werbung und Streaming, sollen laut dem Bericht um 22 Prozent auf 44 Milliarden US-Dollar steigen, während Ride-Hailing und Essenslieferdienste beim Bruttowarenwert um 15 Prozent auf 40 Milliarden US-Dollar wachsen sollen. Das digitale Wirtschafts-GMV von Singapur soll 2026 31 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem Wachstum von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, und soll bis 2035 auf 59 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die Pro-Kopf-Nutzung in den sechs Märkten liegt bei etwa 10 Prozent des US-Niveaus, was laut Gajria den enormen Spielraum für die künftige KI-Nutzung zeigt.

Nitin Gajria, Managing Director für Südostasien und südasiatische Grenzmärkte bei Google, sagte, Südostasien trete in ein KI-Jahrzehnt ein, das durch schnelle Verbreitung und immense wirtschaftliche Chancen geprägt sei. Gajria sagte zudem, es sei derzeit eine sehr konsumentengetriebene Bewegung zu beobachten, und es gebe definitiv viel Potenzial beim Unternehmens-Anwendungsfall. Florian Hoppe, Partner bei Bain & Company, sagte, die KI-Geschichte Südostasiens verschiebe sich von der Frage, wie viele Menschen sie nutzen, hin zur Frage, wie tief sie sie nutzen. Hoppe verwies auf einen weiteren Faktor: die Bereitschaft, neue Technologien anzunehmen, da Verbraucher eine von ihm als „pragmatic optimism“ bezeichnete Haltung gegenüber KI gezeigt hätten. Hoppe sagte: „They're very experimental“, und beschrieb damit die Offenheit der Verbraucher für neue Werkzeuge und Dienste. Fock Wai Hoong, Head Asia Pacific (ex. China & India) bei Temasek Global Investments, sagte, KI werde bedeutende Chancen für die Wirtschaft Südostasiens schaffen, aber die Umwandlung von Verbreitung in nachhaltiges Wachstum erfordere starke Governance, disziplinierte Umsetzung und widerstandsfähige Geschäftsmodelle.

Ein Beispiel ist Shopee, eine E-Commerce-Plattform in Southeast Asia, die inzwischen etwa 80 Prozent der Kundenanfragen über KI-Chatbots bearbeitet und so ihre Kosten pro Kundenkontakt im Jahresvergleich um 30 Prozent senkt. Etwa 69 Prozent der Käufer nutzen KI, um komplexe Anschaffungen wie Elektronik zu vergleichen, während frühe Fallstudien zeigen, dass KI Unternehmen hilft, Konversionsraten um 10 Prozent im Jahresvergleich zu steigern und den durchschnittlichen Betrag pro Bestellung um bis zu 75 Prozent zu erhöhen. 72 Prozent der Nutzer in Südostasien verlassen sich derzeit auf alltägliche Automatisierungen, während 75 Prozent bereit sind, KI-Agenten autonom die besten Preise finden und Käufe in ihrem Namen abschließen zu lassen. Diese Offenheit erstreckt sich auf stärker autonome KI-Nutzungen: 75 Prozent der Nutzer sind bereit, KI-Agenten die besten Preise finden und Käufe in ihrem Namen abschließen zu lassen.

Singapurs Model AI Governance Framework for Agentic AI und die Safeguards for Agentic Finance at Runtime (SAFR) legen klare Leitlinien für die Bereitstellung von KI-Agenten fest. Das Vertrauen in KI in Südostasien hängt von verantwortungsvoller Bereitstellung ab, einschließlich robuster Datenschutzmaßnahmen, die von 44 Prozent der Nutzer gefordert werden, und der Möglichkeit, autonome Aktionen rückgängig zu machen, die von 30 Prozent benötigt wird. Das kommende ASEAN Digital Economy Framework Agreement (DEFA) im November 2026 wird das weltweit erste regionale digitale Handelsabkommen etablieren. Das National AI Impact Programme in Singapur zielt darauf ab, bis 2029 100.000 Personen auszubilden, um die langfristige KI-Wirtschaft zu unterstützen. Singapur weist zusätzlich 200 MW grüne Energie seiner 1,4 GW Compute-Basis zu, um wachsende Compute-Nachfrage mit Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.

Was offen bleibt

Die Nachfrage nach KI in Südostasien soll bis 2030 um bis zu das 60-Fache steigen, da Menschen von einfachen Suchen zur Delegierung komplexer Aufgaben an KI-Agenten übergehen. Der Bericht erwartet, dass die regionale KI-Nutzung bis 2030 im Basisszenario um das 10- bis 15-Fache wächst und bei breiter Einführung agentischer KI um bis zu das 60-Fache. Die Region habe historisch zu den aktivsten Nutzern großer digitaler Plattformen pro Kopf gezählt. Hinsichtlich einzelner Märkte zählt Singapur laut Hoppe zu den frühen Vorreitern in Southeast Asia bei der KI-Einführung. Die GenAI-Durchdringung in Singapur hat 70 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung erreicht, was 3,2 Millionen Menschen entspricht.