Google gab am Dienstag bekannt, dass Gemini in Fahrzeugen um eine Funktion für persönliche Intelligenz erweitert wird. Der Assistent steckt laut TechCrunch bereits in Millionen von Autos, Lastwagen und SUVs. Google will Personal Intelligence mit Gemini auf zwei Wegen in Fahrzeuge bringen: über Android Auto und über Google Built-in. Android Auto ist eine App auf dem Smartphone, die drahtlos mit dem Infotainmentsystem kommuniziert und Navigation, Medien und Nachrichten dorthin projiziert. Das teilt blog.google mit.
Hintergrund
Google hatte Personal Intelligence zu Beginn des Jahres 2026 zu Gemini hinzugefügt, damit die KI mehr Daten der Nutzer einbezieht. Laut Ars Technica startete die Funktion als kostenpflichtiges Angebot und wurde später für alle Gemini-Nutzer verfügbar. Diesmal ist die Reihenfolge umgekehrt: Die Funktion kommt zuerst auf Android Auto. Google Built-in bezeichnet Fahrzeuge, deren Infotainmentsystem Google-Software ausführt, statt eine Schnittstelle vom Telefon zu projizieren. Nur sehr wenige Fahrzeuge haben Google Built-in, doch Google veröffentlicht neue Auto-Funktionen oft zuerst auf ihnen, berichtet Ars Technica.
Google zufolge erlaubt die Funktion komplexe Anfragen in natürlicher Sprache. Nutzer können laut Google natürlich sprechen und in einem Hin und Her komplexere Aufgaben erledigen, statt sich eine exakte Formulierung merken zu müssen. Die bisherigen Freisprechfunktionen von Android Auto bleiben erhalten, der Assistent soll zugleich dialogfähig komplexere Aufgaben übernehmen. Personal Intelligence hat laut Google zwei Kernstärken: das Abrufen konkreter Details aus einer E-Mail, einem Foto oder einem in Google Maps gespeicherten Ort und das Schlussfolgern über komplexe Quellen. Gemini kann in Android Auto eingehende Nachrichten zusammenfassen und beim Verfassen von Antworten unterstützen. Der Assistent übersetzt Textnachrichten in über 40 Sprachen.
Auf dem Weg zum Flughafen kann der Nutzer fragen: „What's my flight gate? And is my flight on time?“ und erhält beide Antworten in einem Zug. Dafür muss er laut Google nicht die Bestätigungs-E-Mail suchen und separat nach Verspätungen suchen. In einer unbekannten Stadt kann er Gemini bitten, ein Restaurant entlang der Route zu finden, das seiner üblichen Vorliebe entspricht; als Vegetarier erhält er eine Auswahlliste passender Orte. Wer zu einem früher gesehenen Ort zurückwill, kann sagen: „Find the car wash from the photo I took last week and navigate there.“ und muss nicht durch die Fotobibliothek scrollen. Gemini kann zudem per visueller Analyse Orte in den Fotos des Nutzers finden und die Navigation starten.
Mit Erlaubnis des Nutzers verbindet Personal Intelligence Informationen aus Workspace mit Gmail und Google Calendar, Google Photos, Google Maps, YouTube und Search. Laut TechCrunch bezieht die Funktion dafür auch den Verlauf der Google-Suche und andere verbundene Dienste ein, um Vorlieben, Aktivitäten und frühere Erfahrungen zu verstehen. Fahrer müssen der Personalisierung ausdrücklich zustimmen, damit Personal Intelligence funktioniert. Die Apps des Nutzers werden nicht verbunden, bis er die Funktion einschaltet, und er kann sie jederzeit in den Gemini-Einstellungen wieder ausschalten. Google zufolge können Nutzer gezielt auswählen, welche Apps sie verbinden möchten. Unterstützt werden derzeit Google Calendar, Google Tasks, Google Keep, Samsung Calendar, Samsung Reminder und Samsung Notes; weitere Drittanbieter-Apps sollen nach und nach folgen.
Einordnung der Quellen
Google sieht Personal Intelligence als Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen KI-Systemen, weil das Unternehmen bereits über viele Nutzerdaten verfügt. Google vertritt die Auffassung, dass die Ergebnisse einer generativen KI besser sind, wenn sie die Welt und den Nutzer kennt. TechCrunch schätzt, dass die enge Verzahnung Verbraucher verunsichern könnte. Laut TechCrunch könnte die stärkere Personalisierung Verbraucher noch tiefer in das Produkt-Ökosystem von Google führen. Google erklärt, Nutzer behielten die volle Kontrolle über ihre Daten mit Personal Intelligence.
Was offen bleibt
Gemini ist auf Android Auto für Nutzer verfügbar, die auf ihrem Smartphone von Google Assistant zu Gemini gewechselt sind. Laut Google beginnt der neue Assistent heute weltweit auf Android Auto einzurollen, in 45 Sprachen. Wer Personal Intelligence bereits in der Gemini-App aktiviert hat, nimmt es mit ins Auto; wer nicht, kann seine Einstellungen jederzeit in den Gemini-Einstellungen festlegen. Ohne Personal Intelligence funktionieren Navigation, Musik, Anrufe und Fragen weiterhin, die Antworten sind dann aber nicht auf den Nutzer zugeschnitten. Autos mit Google Built-in teilen persönliche Antworten laut Google nur, wenn der Nutzer mit verbundenem Telefon im Auto ist. Google kündigt an, weitere Funktionen für Gemini in Android Auto über die Zeit hinzuzufügen.
