Der Fonds soll es Anthropic nach eigenen Angaben ermöglichen, große Spenden an traditionelle gemeinnützige Organisationen oder direkte Ausschüttungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen zu prüfen. Die von der LLC gehaltenen Anthropic-Anteile sollen weder in den USA noch im Ausland für Lobbyarbeit oder politische Spenden verwendet werden, teilte das Unternehmen mit. Anthropic begründet die Rechtsform damit, sie erlaube Anpassungen zwischen verschiedenen Formen des Gebens. Der Fonds soll über mehr Flexibilität und Skalierung verfügen, damit das Unternehmen seine Mission auf neue Weise verfolgen kann, erklärte Anthropic laut Business Insider.

Hintergrund

Anthropic wurde 2021 von sieben ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet und als Public Benefit Corporation errichtet, berichtet The Guardian. Diese Rechtsform verpflichtet alle Direktoren, finanzielle Erträge mit der gemeinnützigen Mission des Unternehmens abzuwägen. Bei der Gründung verpflichteten sich die Mitgründer laut Anthropic, 80 Prozent ihrer Aktienbestände zu spenden. Seit der Gründung betreibt das Unternehmen zudem ein Programm zum Abgleich von Aktienspenden, bei dem Beschäftigte Aktien zusagen können und Anthropic den Betrag verdoppelt. Etwa die Hälfte der Beschäftigten nimmt daran teil. Zusammen mit der neuen Zusage sollen rund 20 Prozent der Anthropic-Aktien dem öffentlichen Nutzen gewidmet sein, zuzüglich weiterer Prozentsätze bei Erreichen bestimmter Bewertungsmeilensteine.

Wie der Anteil wächst

Für jede 50-prozentige Steigerung des Unternehmenswerts über eine festgelegte Basislinie hinaus sollen nach Ermessen des Vorstands zusätzliche zwei Prozent der Anteile an den Fonds gehen. Diese Basislinie ist noch nicht offengelegt. Anthropic zufolge kann das Unternehmen durch die Struktur des Fonds dem öffentlichen Wohl umso mehr Anteile widmen, je stärker es wächst. Der Anteil könnte zudem steigen, wenn die Bewertung des Unternehmens wächst, berichtet CNBC. Anthropic wurde im Mai 2026 mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet, als es in einer Finanzierungsrunde 65 Milliarden US-Dollar einsammelte, meldet The Guardian.

Arbeitsmarkt als Beispiel

Als Beispiel für mögliche Wirkungsfelder nennt Anthropic die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: KI könne enormen wirtschaftlichen Wert erzeugen, aber auch Instabilität für viele Arbeitnehmer verursachen. Das Unternehmen erklärte, bereits 200 Millionen US-Dollar für die Untersuchung und den Umgang mit dieser Frage zugesagt zu haben. Angesichts des Tempos des KI-Fortschritts könnten jedoch kühnere Ansätze nötig sein, die der Fonds verfolgen soll. Der Fonds könnte laut CNBC auch dafür genutzt werden, die Störung und Verdrängung von Arbeitsplätzen durch KI zu untersuchen und anzugehen. Anthropic verweist darauf, dass es übliche Praxis sei, Tech-Führungskräften steigende Vergütungspakete anzubieten; das Unternehmen lenke diese Anteile stattdessen auf den öffentlichen Nutzen.

Lise Buyer, Partnerin bei der IPO-Beratungsfirma Class V Group, sagte CNBC, der Zeitpunkt der Ankündigung sei für die Vorbereitung eines Börsengangs verpflichtend und aus Imagegründen vorteilhaft, gerade während KI den Arbeitsmarkt umforme. Der Schritt diene auch dazu, den Ruf zu polieren, während KI unter erheblicher Beobachtung stehe, fügte sie hinzu. Buyer zufolge könnte der Schritt positiv gesehen werden, wenn die Mittel Umschulungen unterstützen oder Arbeitnehmern helfen, alternative Beschäftigung zu finden, wenn die Technologie ihre Arbeitsplätze verdrängt. Elon Musk, CEO von Tesla und Gründer von SpaceX, reagierte auf X auf die Pläne und schrieb: „Ich empfehle, die Aktien direkt an die Öffentlichkeit zu geben. Das ist, was ich tun werde.“ Laut The Guardian versprach Musk zudem, einige seiner eigenen Aktien abzugeben.

Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Nervosität gegenüber KI, von der Bedrohung menschlicher Arbeitsplätze über Umweltfolgen bis hin zum Einfluss auf soziales Verhalten, schreibt The Guardian. Ein Bericht des Pew Research Center vom August ergab laut CNBC, dass 71 Prozent der Erwachsenen in den USA in den nächsten zwei Jahren mit weniger Arbeitsplätzen durch KI rechnen. Im Jahr 2025 gründete der Rivale OpenAI eine ähnliche gemeinnützige Stiftung mit einem milliardenschweren Anteil am Unternehmen, um Initiativen zum öffentlichen Nutzen zu finanzieren, berichtet Business Insider. OpenAI soll laut The Guardian zudem frühe Gespräche darüber geführt haben, der US-Regierung einen Anteil von fünf Prozent an seiner Organisation zu geben. Anthropic will in den kommenden Monaten mehr zur Struktur und Governance des Fonds mitteilen, einschließlich der Bewertungsmeilensteine, die seinen Anteil erhöhen könnten. Über den Fortschritt gegenüber seiner Mission will das Unternehmen in einem bevorstehenden Bericht zum öffentlichen Nutzen berichten.