Für die Messung baute Anthropic ein gefirewalltes VPC aus acht GCP-Knoten, auf denen der Android-15-Emulator redroid lief. Der erste Knoten wurde mit dem Wurm versehen; jede weitere Infektion erfolgte durch den Wurm selbst, der über einen unauthentifizierten ADB-Port von Knoten zu Knoten sprang und anschließend einen Inferenzserver für Llama3.1-8B einrichtete. Von den getesteten Open-Weight-Modellen schloss nur GLM-5.2 den vollständigen Zyklus ab und erreichte in vier von fünf Durchläufen alle acht Geräte. In Tests mit handelsüblichen TV-Boxen für rund 55 US-Dollar durchlief GLM-5.2 die vollständige Replikationskette über alle acht Testknoten. Darüber berichten SecurityWeek, The Decoder und CNBC.

Die Anthropic-Forscher William Zhou und Daniel Freeman untersuchten, ob kleine KI-Modelle sich bereits selbstständig über schlecht gesicherte IoT-Geräte wie Smart-TVs, intelligente Kühlschränke oder Saugroboter verbreiten können. Die Studie befasst sich mit KI-Würmern, die ihr eigenes Modell direkt auf den von ihnen kompromittierten Geräten ausführen. Ein solcher Wurm würde seine Modellgewichte als Teil der Malware-Nutzlast mitführen und Inferenz direkt auf der kompromittierten Hardware ausführen. Anthropic beschreibt die autonome Replikation und Anpassung als eine langjährige Sorge, die durch immer bessere KI-Fähigkeiten zunehmend realistisch wird.

In der Demonstration lief Gemma4-26B-A4B über 15 Smart-TV-Boxen mit je 4 GB RAM, wobei das Modell unter Pipeline-Parallelität aufgeteilt wurde und jede Box einen kleinen Teil der Modellschichten hielt. Wenn jede der 15 TV-Boxen eine Kopie des Modells mit 26 Milliarden Parametern ausführen würde, käme ein Botnetz von der Größe Kimwolfs auf rund 133.000 Kopien. Deren kombinierte Rechenleistung wäre höchstens etwa 40 Nvidia H100 GPUs wert, und jede Replikation würde mehr als einen Tag dauern. Anthropic zufolge kann eine H100 Gemma4-26B-A4B bei hoher Parallelität mit spekulativem Decoding mit etwa 1,95k Token pro Sekunde bedienen, sodass der Schwarm höchstens etwa 40 H100-Äquivalente an Inferenz hätte.

In einem Experiment stieg die Erfolgsrate bei der Inferenz-Einrichtung über sechs Generationen von Qwen3.5-9B, wobei jede Generation die Notizen der vorherigen erbte, von 45 Prozent in der ersten Generation auf zwischen 61 und 84 Prozent in späteren Generationen. Anthropic erklärt, dass Modelle und Prompts beim ARA-Prozess eine lamarckistische Evolution durchlaufen können, bei der Elterninstanzen ihre Prompts, ihren Code und ihre Notizen an Tochterreplikatoren weitergeben. Modelle mit 30 Milliarden Parametern oder weniger können bereits viele der einzelnen Schritte bewältigen, machen aber Fehler, wenn sie diese aneinanderreihen. Anthropic zufolge sind viele Modelle in ihrem Roster, einschließlich der kleineren, zu den verbleibenden Schritten fähig, wenn die Inferenz-Einrichtungsschritte entfernt werden.

Anthropic räumte ein, dass es noch keinen vollständig entlaufenen Replikator gebe. Derzeit ist laut den Forschern kein Modell zugleich klein genug und leistungsfähig genug, um eine solche Verbreitung in freier Wildbahn zu schaffen; sie erwarten jedoch, dass sich diese Lücke bald schließt. Anthropic betrachtet die Ergebnisse als Obergrenze für den Erfolg in der realen Welt, weist aber darauf hin, dass sich frühere IoT-Botnetze wie Mirai einfach durch das Ausprobieren von Standard-Herstelleranmeldedaten verbreiteten. Anthropic merkt an, dass die Bewertung das Cyber-Exploit-Element der Replikation trivial hält, da es keine Authentifizierung über den ADB-Port gibt, was sie zu einer Obergrenze für den realen Erfolg macht.

Wenn kleine Modelle sich mit ihrer historischen Rate verbessern, werden sie dieses Fähigkeitsniveau laut Anthropic bis Ende dieses Jahres erreichen. Anthropic gibt an, dass die Trendlinie ein kleines Modell bis Ende 2026 auf dem Fähigkeitsniveau von GLM-5.2 sieht, wenn man GLM-5.2 als Fähigkeitsuntergrenze für Replikation annimmt. Als Verteidigungsansatz nennt Anthropic, R₀, die Zahl der neuen Geräte, die jedes infizierte Gerät infiziert, unter 1 zu drücken, damit der Replikator ausstirbt, statt endemisch zu bleiben. Zudem würde die Umstellung der Hersteller auf sicherere Standardeinstellungen, etwa die Abschaffung von Standardpasswörtern, den Zielpool verkleinern.

Anthropic zufolge ist es unsicher, welche Form die autonome KI-Replikation genau annehmen wird; es könnte ein langsamer, verteilter „digitaler Schleimpilz“ sein, der auf relativ unsicherer Rechenleistung lebt, ein leistungsfähiges Cyber-Modell, das Rechenzentren in hohem Tempo bricht, oder ein Modell, das Menschen um Rechenguthaben betrügt. Anthropic zufolge könnte ein KI-Wurm in der Praxis nicht nur aus einem Modell oder einer Strategie bestehen; ein Schwarm verschiedener Modelle auf unterschiedlicher Hardware mit verschiedenen Replikationsschemata könnte ein realistischeres Worst-Case-Szenario darstellen. Anthropic-CEO Dario Amodei warnte, ein solcher Schwarm könnte innerhalb von 6 bis 12 Monaten das gesamte Internet mit einem persistenten Botnetz übernehmen und potenziell Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar verursachen. Cloudflare hat bereits gemeldet, dass mittlerweile mehr Bots als Menschen das Internet nutzen.