Auslöser der Krise war ein Bericht von Amazon. CEO Andy Jassy teilte dem Weißen Haus mit, dass sein Team eine Methode gefunden habe, die Schutzmaßnahmen von Anthropics Modell Fable 5 zu umgehen, wie Politico und Axios berichten.

Ein hochrangiger Beamter des Weißen Hauses sagte gegenüber Politico, die Exportkontrollen seien das letzte Mittel gewesen. Man habe Anthropic stundenlang um eine freiwillige Zusammenarbeit gebeten. In einem Telefonat sagte Finanzminister Scott Bessent demnach direkt zu CEO Dario Amodei, dieser treffe eine „schlechte Entscheidung“.

Eine mit Anthropic verbundene Person schilderte den Vorgang gegenüber Politico anders. Die Regierung habe dem Unternehmen 90 Minuten Zeit gegeben, die Modelle abzuschalten, ohne Details zur angeblichen Bedrohung zu nennen. Von stundenlangem Bitten könne keine Rede sein. Ein Sprecher von Anthropic wies zudem die Behauptung des Weißen Hauses zurück, Amodei sei zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme nicht erreichbar gewesen, weil er an einem Wellness-Retreat teilgenommen habe.

Die Verfügung zwang Anthropic, den Zugang zu den Modellen Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden zu sperren. Das Unternehmen erklärte, der „Nettoeffekt“ der Anordnung sei gewesen, die Modelle „abrupt zu deaktivieren“, um die Auflagen zu erfüllen. Der frühere KI-Beauftragte des Weißen Hauses, David Sacks, unterstützte die Entscheidung. Er schrieb auf X, die Verwaltung sei „aufrichtig verwirrt“, dass Anthropic nicht mit Sicherheitsanforderungen habe nachkommen wollen.

Ein mit der Denkweise der Regierung vertrauter Kreis sagte, Anthropic habe es an der nötigen Ernsthaftigkeit im Umgang mit der Veröffentlichung von Fable 5 mangeln lassen. Das Unternehmen selbst widersprach der Darstellung eines schwerwiegenden Sicherheitsversagens. In einem Blogbeitrag verwies Anthropic darauf, dass ähnliche Schwachstellen auch bei anderen Modellen bestünden und eine vollständige Vermeidung von Jailbreaks derzeit für kein Unternehmen möglich sei.